Ein weiterer Gletscher stand auf dem Programm, allerdings erforderte der eine lange Anfahrt. Doch zuerst ging es weiter zur Caleta Luna, wiederum alles unter Motor. Dort lockt ein kleiner See, der durch einen Abfluss mit dem Meer verbunden ist. Den sind wir mit dem Dinghy hochgefahren. Kleines Abenteuer, da unser Speed ca 0.1kn schneller war als der Gegenstrom. Runter dann natürlich entsprechend schneller. Der Adrenalinkick kam daher, dass es eng und seicht war. Querstellen hätte evtl sofort das Boot umgekippt. Ging aber alles gut. 
Am nächsten Tag fuhren wir vor Sonnenaufgang los, weiter als geplant mit dem Ziel, das gute Wetterfenster für den nächsten Gletscher nicht zu verpassen.

Hinzu kam Südwind, wir mussten nach Norden. Das passte (für den nächsten Tag). Nach einer  Nacht in der Caleta Greenpeace ging es – wie meist! – sehr früh morgens los, der grösste Gezeitengletscher Südamerikas ausserhalb der Antarktis wartete auf uns. Es kam uns Havorn entgegen, sehr langsam, da sich durch das Eis kämpfend. Das würde uns auch noch blühen. Und tatsächlich, 10sm vom Gletscher entfernt erforderte die Navigation sehr viel mehr Aufmerksamkeit. Der Pío XI- oder Brüggengletscher (nach einem deutschen Geologen benannt und natürlich einem Papst benannt) ist bekannt dafür, dass er sehr ‚produktiv‘ ist und laufend viel Material abwirft, das sich dann mit Wind und Strömung bewegt. 

Doch noch weit vom Gletscher entfernt, gibt es für uns kein vernünftiges Weiterkommen mehr. Das Eis ist zu dicht. Dennoch, auch aus der Ferne beeindruckt die 50 Meter hohe Front mit ihren bizarren Formen und den vielen Blautönen.

Wir fahren etwas zurück und dann rüber auf die andere Seite (der Gletscher ist an der Front 3.5km breit!). Dort liegt unser Ziel für die Nacht. Die Bucht, die wir aussuchen, ist frei von Eis. Davor zieht es vorbei, vom Südwind angetrieben. Der Abend ist schön und verlangt noch nach einem kleinen Landausflug, der uns die Bekanntschaft mit einem neugierigen Otter beschert und nach einem Dinghyausflug, der uns zu einer grossen Eisscholle führt, die stark vor sich hinschwitzt. 

Nachts um 1 Uhr klopft ein erster Eisberg bzw eine Scholle unsanft ans Schiff und weckt uns. Der Wind hat anscheinend gedreht und treibt nun einige grössere Eisstücke in unsere Bucht. Mit entsprechenden Geräuschen. Und der Frage, ob das gut kommt. 
Wieder früh raus, schnelles Frühstück und Anker auf. Alles ohne Probleme. Der grosse Eisblock vor uns lässt sich von der Ankerkette gehorsam zur Seite drücken. Auch vor der Bucht hält sich die Eissituation in Grenzen. Langsam erscheint vor uns wieder der Gletscher.

Heute, von der anderen Seite, kommen wir so nah ran, wie wir uns trauen. Wir lassen wie gestern das Dinghy ins Wasser, um auch ein paar Bildchen mit der Iraila vor dem Gletscher machen zu können. Die Sonne lacht zwar nicht so wie gestern, dennoch ist die Sicht sehr gut und der Gletscher leuchtet trotzdem unsäglich blau. Es ist einfach wieder beeindruckend!

Die Fahrt aus der Eissuppe ist einfacher als gestern hinein. Bei kaum Wind kommen wir gut voran (natürlich unter Motor…) und erreichen früh die Caleta Lucrecia.

Kurz nach unserer Ankunft nähert sich die Shazzan, die wir auch am Weihnachtsessen in Puerto Williams kennengelernt hatten. Wir beobachten ihre Ankunft vom Berg aus, den wir kurz zuvor erklommen hatten. Später statten wir ihnen noch einen Besuch ab und verabreden uns für Puerto Edén. Auf dem Nachhauseweg beobachtet uns ein einzelnes Seelöwenmännchen vom Ufer aus. 

Bild von Klaus Tischhauser
Klaus Tischhauser

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