Die Crew hat in Puerto Cisnes ihren Freiland-Aufenthalt bekommen. Er ist aber nicht ganz nach ihren Vorstellungen verlaufen. 

Eigentlich hatte sich Ungemach schon früh abgezeichnet. Bei der Ansteuerung des empfohlenen Ankerplatzes stellten wir einerseits fest, dass an der markierten Stelle die Wassertiefe nicht 20 sondern über 40 m betrug und andererseits die meisten Plätze sowieso entweder von Fischerbooten an Bojen oder leeren Bojen besetzt waren. Wir setzten den Anker dann doch im Wissen, dass es in der Nähe recht seicht würde. Der Anker war eingefahren, Systeme abgestellt, Segelkleidung abgezogen als ein heftiger Squall uns umherwirbelte und am Heck ein Fischerboot immer näher kam, bzw wir uns schnell auf dieses zubewegten! In Socken und ohne Segelkleidung raus in Wind und Regen, Motor an und Kollision vermeiden! Das ist dann knapp gelungen. Nun nix wie weg hier, obwohl der Spuk schnell vorbei war. Der Ankerplatz vor Puerto Cisnes gilt als nicht so toll, aber der hier scheint uns auch nicht über jeden Zweifel erhaben. Also weg und rüber vor den Ort. 
Dort dann wieder eine ähnliche Situation: zuerst sehr tief, dann alles voller Bojen und Schiffe an Bojen. Schliesslich legten wir uns vor die Mündung eines Flüsschens und fuhren den Anker ein. Nach einigem Beobachten auch mit stärkerem Wind bereiteten wir den Landgang vor, natürlich in Erwartung der Restaurants, die wir uns im Vorfeld schon mal auf Google Maps angeschaut hatten. 
Zur Sicherheit dachten wir uns noch folgendes aus: auf dem Ersatz-Mobiltelefon, das wir an Bord lassen würden, haben wir die Routenaufzeichnung in No-foreign-land gestartet (so kommt auch die Route und Position auf der Startseite hier zustande). So würden wir auch von Land aus sehen, ob unser Schiffchen brav bleibt, wo es sein sollte. Baby phone fürs Schiff sozusagen. 
Der Landgang war etwas ernüchternd. Das Ziellokal öffnet erst um 20 Uhr, also in 1.5 Stunden.

Alles andere scheint geschlossen, Nachsaison. Schliesslich finden wir am Ortsrand ein kleines Lokal, das neben lokalem, gutem Bier auch noch Speisen anbietet. Allerdings im Studentenstil: eine Schale mit Fritten, Würstchenscheiben, Fleischwürfeln und Oliven. Aber gut, das Bier ist wirklich gut. Laufend schauen wir aufs Baby phone. Das Essen kommt. 

Draussen wird es wieder feucht, starker Regen kommt auf und Wind! Wieder schauen wir auf die Telefone. Und dann passiert es! Das Baby schreit! Der Track hat einen Ausreisser zum Land hin!

Der Anker scheint nicht zu halten. Was nützt jetzt das Baby phone? So weit weg? 
Nun, wir denken, die Iraila wird schon nicht gleich am Ufer aufschlagen. Das Schwert ist unten und wird das Schiff vorher bremsen. Und sonst, na, sie ist ja robust. Dennoch schlingen wir das Essen runter, spülen das Bier hinterher, zahlen und laufen in regionuntypischer Hast zum Wasser. 
Der erste Blick zeigt ein aufrechtes Schiff, sie liegt also noch nicht auf der Seite. Auch keine Rettungskräfte auszumachen. Schon mal gut. 
Auf dem Schiff angekommen schreit nicht einmal der Ankeralarm. Und auf dem Bordplotter (das ist der Navigationsbildschirm) ist alles bestens. Kein Ausreisser! 

Fazit 1: Baby phone hilft nicht wirklich
Fazit 2: das GPS des Telefons in Verbindung mit einer App, von der man nicht weiss, wie genau sie Signale darstellt, ist weniger gut als das Bord-GPS. 
Somit sind wir a) erleichtert, haben b) den Entschluss gefasst, das nächste Mal das Telefon mit dem Bord GPS zu verbinden und eine andere App zu nutzen und hatten c) doch etwas Auslauf, wenn auch kürzer als gedacht. 

Bild von Klaus Tischhauser
Klaus Tischhauser

Ein Kommentar

  1. Nun hoffen wir, dass es weniger stressig weitergeht! Es war spannend zu lesen wie ein „Krimi“! Grüsse aus dem Zölly bei frühlingshaftem Wetter ☀️

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