Wetterbedingt zogen wir schon nach einer Nacht weiter. In der Caleta Brecknock unternahmen wir noch vor dem Ablegen bei einem vermuteten trockenen Zeitfenster eine kleine Wanderung hoch zum See. Das war wirklich nett und erlaubte natürlich einen besseren Blick in die Felsbucht.

Zur Vorbereitung befreite der Skipper die Ruder von Kelp. Beim Ankern hatten wir plötzlich grossen Widerstand im Ruder und führten das auf Kelp zurück.

Nach dem Ankerauf, als es Zeit wurde, sich ins geschützte Schiffsinnere – es regnete mittlerweile wieder – zu verkriechen und von innen unter Autopilot zu navigieren, kam eine üble Rückmeldung vom Autopiloten: kein Rudersignal. Mist. Hatte da der Kelp doch tatsächlich Schaden angerichtet? Das hiess erstmal im Regen am Steuer stehen. Zuerst der Skipper, dann die Skipperin. In der Zeit kroch der Bordmechaniker in den Ruderbereich des Schiffes und konnte den Schaden schnell identifizieren. Die Skipperin konnte erlöst werden, indem auf den zweiten Ruderlagegeber umgeschaltet wurde. Das zugrundeliegende Problem würde bis zum nächsten Tag warten müssen.
Die Nachmittagsfahrt brachte zahlreichen Delphinbesuch. Lange begleitete uns eine grosse Gruppe eifrig springender Meeressäuger. Toll! Wir konnten wieder mehr als die Hälfte der 24sm segeln. Kurz vor der Einfahrt in die Caleta Cluedo tummelten sich mehrere Gruppen von Robben, die neugierig schnell auf uns zugeschwommen kamen. Ein schöner Empfang!
Heute dann Ruhe- bzw. Werkeltag. Der Autopilot, der über seine maximale Ruderlageposition hinausgedrückt wurde (wahrscheinlich beim Rückwärtsfahren – Kelp also unschuldig), musste wieder befreit werden. Das ist gelungen, so dass wieder alle Systeme ok sind.
Wiederum in einer trockenen Phase ruderten wir an Land und vertraten uns die Beine. Zu mehr reichte es nicht. Einziges Highlight war eine Entenfamilie mit vier Jungen. Man nimmt, was es hat.

Morgen geht es wieder früh los. Wir müssen im Canal Acwalisnan durch den engen Paso O‘Ryan, in dem es bei falschem Timing einen sehr starken Strom gegen einen gibt. Danach erreichen wir via Canal Pedro die Magellanstrasse. So der Plan.
Heute Nacht soll aber noch sehr starker Wind aufkommen, allerdings auch recht schnell weiterziehen. So wie wir. Es zieht uns nach Norden, aus der altuellen Zone raus, die für viel Regen und starke Winde bekannt ist.
Bild von Klaus Tischhauser
Klaus Tischhauser

5 Antworten

  1. Nun bin ich wieder aktuell informiert. Danke für die tollen Berichte und Fotos. Schade, dass die Drohne verloren gegangen ist. Die Fotos waren besonders.

  2. Danke für die Berichte und die eindrücklichen Bilder. Um die Festmacherei beneide ich Euch nicht. Ist ja jedes Mal eine Mondlandung, oder? Wieso müsst Ihr die Iraila mit 4 Landleinen festzurren? Ist es es zu tief zum Ankern, der Ankergrund too risky oder der Wind unberechenbar?
    Take care

    1. Also die Anzahl der Leinen hängt natürlich immer von den Umständen ab. Wenn es zu eng ist, um zB 70 Meter Kette rauszulassen und dann frei zu schwingen, dann kommen Leinen zum Einsatz. Der ‚Klassiker‘ ist Anker raus, rückwärts und idealerweise gegen die vorherrschende Windrichtung an Land fahren und dann auf beide Seiten je eine Leine. Ist man dann nah am Land, wehen evtl sogar die starken Fallwinde über einen hinweg. Bestehen bzgl des Ankers Zweifel, da der Ankergrund nicht gut oder zu tief ist oder bei starken seitlichen Winden man irgendwo dagegen knallen könnte, drängt sich vorne auch noch was Fixes auf. Und so ist man dann bald mal bei einer Vierpunktelösung. Neulich mit vier Leinen und Anker war der Anker nur die Anfangshilfe bis die ersten Leinen fix sind. Bei Abfahrt dann umgekehrt: Sicherung nachdem die letzte Leine gelöst ist.
      Die entsprechenden ‚Instruktionen‘ pro Ankerplatz findet man alle in der ‚blauen Bibel‘, die hier wirklich jeder dabei hat. Ein sehr dickes Standardwerk eines italienischen Seglerpaares.

  3. …aus der altuellen Zone raus… altuell – Kombination von aktuell und aktiv? – beides sorgt fuer Nervenkitzel bis -saege. Danke fuer die Erklaerung der verschieden Ankerloesungen. Interessant ist die Anker-Zwischenstufe im Prozess des ‚Verleinens‘.

  4. Wundere mich ob die Notwndigkeit der manuellen Erloesung des Ruderlagegebers ein Design / Konstruktions Feature oder Fehler ist. Natuerlich moechte man wissen das Ruder ‚aus dem Ruder‘ lief, aber mit heutiger Technology kann das in die Merkliste eingetragen werden und der Fehler autokorrigiert werden… der zweite Ruderlagegeber konnte ja offenbar muehelos die Inoperability ueberschreiben und moeglichweise zur Erhoehung eins eventuellen Schadens fuehren.

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