Flucht durch die Magellanstrasse

Die Nacht in der Caleta Cluedo wurde sehr kurz. Die Bucht ist gegen ‚hinten‘ offen, d.h. der Wind wird kaum abgebremst. Da die etwas geschütztere Ecke wegen eines durch die lokalen Fischer über die gesamte Bucht gespannte Leine unzugänglich war, lagen wir mit dem Rücken zum Wind mit zwei Leinen auf die beiden Uferseiten, plus natürlich Anker vorne raus. Das hielt zwar, aber als der Wind wie prognostiziert immer stärker wurde und 40 Knoten noch vor dem erwarteten Höhepunkt erreichte, war an Schlafengehen einfach nicht zu denken. Es wurde somit ein langer Fernsehabend, das lenkt etwas ab. Zum Glück waren die 40 Knoten dann doch der Höhepunkt, so dass wir uns um 1 Uhr nachts halb angezogen doch noch ins Bett legten. Ganz tiefer Schlaf kam dann halt doch nicht mehr auf bis um halb sechs, aber es wurde immer ruhiger. 

Die Anfahrt auf den Paso O‘Ryan war auf die Minute genau. Bei Hochwasser hatten wir kurzzeitig 2 Knoten Strom gegen uns, dann war das auch vorbei. Bei mittlerweile wieder schönem Wetter ging es, zT sogar segelnd, weiter Richtung Magellanstrasse. Kurz vorher nahm die Pould‘O aus einem Seitenarm kommend die Verfolgung auf. Bald segelten zwei Yachten unter Segeln kurz hintereinander über die Magellanstrasse.

Zu einem richtigen Rennen kam es dann aber strömungs- und windbedingt nicht mehr. Dafür lagen wir zusammen in der historischen Bahía Gallant, die schon ganz anderen Kalibern zu ganz anderen Zeiten Schutz geboten hatte. Fast gleichzeitig ging es am nächsten Morgen weiter zur Bahía Tilly – bei sehr bescheidenen Verhältnissen…

Dort besuchte uns die Pould‘O-Crew, bestehend aus Odille und Pièrre. 

Heute Morgen wollten wir um 9 Uhr los. Als aber um 7 Uhr ein Schiffshorn neben uns zum Abschiedsgruss ertönte, gingen wir auch Anker auf und folgten Pould‘O. Das Ganze fühlte sich etwas nach Flucht an. Das Wetter war schon wieder so unglaublich nass und grau, dass wir alle da schnellstmöglich weiter und raus wollten. Dank dem wake-up-call unserer französischen Freunde schafften wir es genau in die Einfahrt zur grossen Caleta Notch, bevor der angesagte Starkwind auf die Nase einsetzte. Pould‘O waren eine Stunde weiter vorne und bekamen 40
Knoten voll ins Gesicht. Das blieb uns erspart. 
In der riesigen Caleta Notch liegen wir wie die zwei letzten Nächte schon frei vor Anker. Auch wenn es hier die berüchtigten Williwaws, explosionsartig auftretende Fallwinde, gibt, liegen wir sehr gut. Die Attacken sind so kurz, dass es nicht reicht, um wirklich am Anker zu ziehen. Das Schiff wird einfach kurz auf die Seite gelegt – also muss alles segelmässig verstaut sein – und ein wenig bewegt, bis es sanft durch das Gewicht der Kette abgebremst wird. Natürlich lassen wir hier bei 7m Tiefe mit 65 Metern viel Kette raus. Aber schaden kanns ja nicht. 
Erfreulicherweise kam bei Ankunft und mit dem aufkommenden Wind auch die Sonne wieder einmal zum Vorschein. Wie weggeblasen ist dann jeweils der Frust über das zurückliegende Grau, wenn der Blick auf die imposante Natur endlich wieder einmal frei ist. 

Bild von Klaus Tischhauser
Klaus Tischhauser

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