Frohes Neues Jahr erstmal!
Der zweite Tag in der Caleta Beaulieu brachte nicht mehr das Kaiserwetter vom Vortag. Aber immerhin war es während unserer Wanderung auf einen nahen Hügel mit Blick auf Gletscher und runter auf die Iraila ziemlich ok.
Danach war es dann deutlich grauer und nasser – was es bis jetzt geblieben ist. So sind der letzte Tag des alten und der erste des neuen Jahres von anhaltendem Regen geprägt. Wir nutzten dies am 31. für eine Fahrt zur Caleta Cinco Estrellas. Vorher fuhren wir noch den Westarm des Fjords hoch, wurden aber vom zunehmenden Eis an der Weiterfahrt gehindert bzw wollten uns da nicht mühsam durchschlängeln. Die kleinen Eisstücke sind eben doch rechte Brocken, die man nicht unbedingt an den Rudern haben will. Aber eindrücklich war es!
Die Caleta Cinco Estrellas ist wirklich 5-Sterne-würdig. Und wir fanden sie leer vor. Zur Not können zwar zwei Boote in der Bucht festmachen, aber wir sind froh, dass wir alleine sind. Denn so vollkommen leer ist die Gegend hier nicht. In der Beaulieu-Bucht lag bei unserer Ankunft vor dem Gletscher die Stella Australis, ein kleines chilenisches Kreuzfahrtschiff. Später kam noch ihr Schwesterschiff, die Ventus Australis, dazu. Zu uns in den Ankerplatz gesellten sich nach einer ersten Nacht ohne jegliches Schiff dann noch die Firebird und die Havorn. Letztere trafen wir ja schon früher.
Hier nun in der Cinco Estrellas-Bucht verabschiedeten wir das alte und begrüssten das neue Jahr. Als Festtagsmenue gab es vorgekochte und tiefgefrorene Rindsrouladen. Zum Essen waren sie dann natürlich nicht mehr tiefgefroren…
Wir hielten uns gerade so bis Mitternacht wach, ohne Feuerwerk und Party begann 2026 ruhig. Auch die Iraila hatte einen ruhigen Start. Mit vier Landleinen lag sie auch im Falle starker Fallböen sicher.
Heute regnet, schneit oder graupelt es fast ununterbrochen. Während einer Schwächephase des Schlechtwetters gingen wir aber dann doch mal raus an Land und machten eine zweistündige Wanderung. Dank guter Schutzkleidung blieben wir trotz wieder einsetzenden Niederschlages in unterschiedlichster Form und starken Windes trocken. Wirkliche Wege gibt es hier nicht, obwohl man manchmal vermuten kann, dass da doch schon wer durchgetrampelt ist. Aber bei dem kargen Bewuchs in dieser Gegend kommt man auch ohne Vorspurer aus.
Die Vegetation ist natürlich ans Klima angepasst. Viele Sträucher sehen wie Bonsai-Bäume aus. Auch andere Pflanzen sind sehr klein, bei näherer Betrachtung aber durchaus schön.
Abgesehen von etwas Vogelgezwitscher am See unten beim Schiff hat es keine erkennbaren Tiere. Nur die diversen Bäche tosen ununterbrochen talwärts.
Mittlerweile regnet es sich wieder richtig ein. Das Thermometer zeigt eine Aussentemperatur von 3.5 Grad, innen haben wir jerzt gerade noch 16 Grad. Bald wird es wieder Zeit für einen neuerlichen Heizungseinsatz.
Das Schiff ist zwar gut isoliert und die Fenster sind doppelverglast. Aber an deren Alurahmen und und an den Luken entstehen Kältebrücken, die dann zu Kondensation führen. Daher gehört regelmässiges Abtrocknen all dieser triefenden Stellen zur Bordroutine. Ansonsten sind wir froh, diverse Paare Handschuhe dabei zu haben (für draussen, nicht drinnen!). Einige sind immer gerade am Trocknen.
Insgesamt lebt es sich ganz gut. Was gerade dieser Tage etwas unangenehm auffällt ist die Energiesituation. Erwartete der Skipper wegen des schlechten Sonneneinfallwinkels eine geringe Solarpanelausbeute, so ist das weniger ein Problem, da wir ja gar nicht so südlich liegen (wie erwähnt vergleichbar mit Hamburg im Norden). Es ist vielmehr die gänzliche Absenz der Sonne, die das Anschmeissen des Generators – sehr zum Leidwesen des Skippers – ab und zu von Nöten macht. Aber gerade reisst der Himmel auf und zeigt unschuldiges Blau! Das 2026 beginnt gut!
Eine Antwort
Lieber Klaus, liebe Elgard,
einen besonderen Dank fuer die aufuehrliche Berichterstattung ueber die sehr interessante, wilde Gegend und die schoenen Detailbilder der Pflanzenwelt.
Mit lieben Gruessen
markus