Der Besuch der Laguna San Rafael mit ihrem gleichnamigen Gletscher bedeutet einen Abstecher von 60sm nach Süden, den man sich sonst sparen könnte. Uns hat er aber ein sehr schönes Highlight beschert, auch dank des ausgesprochen schönen Wetters.
Am Ankerplatz Rio Patos hatten wir ja den schönen Dinghy-Ausflug gemacht. Danach fuhren wir zum anderen Segler, der kurz vor unserem Dinghy-Start angekommen war. Er hatte vier Leinen ausgebracht und so den Weg aus der Bucht blockiert. Daher wollten wir wissen, wann er am nächsten Morgen loszufahren gedenke. Unser Plan war mit auflaufendem Wasser um 7 Uhr zu starten. Es waren Chilenen, die offenbar nicht zum ersten Mal hier waren. Sie meinten zu unserem Ankerplatz, dass dort der Anker bei Starkwind nicht so gut halte. Aber so ein Wind war ja nicht angesagt. Abfahrt planten sie so gegen 9.30 Uhr, das reiche, um hoch in di Lagune zu kommen. War uns sehr recht, da das schöne Wetter erst auf den Nachmittag angesagt war. Und schliesslich redeten wir ja mit Experten, die das besser wussten als wir.
Als wir morgens um 8 aufwachten – wir hatten lange geschlafen nach etwas Serien-Bing am Vorabend – waren unsere Nachbarn schon weg! Wir stürzten auch gleich in die Arbeitskleidung und wollten Anker hoch gehen. Das entpuppte sich aber als das mühsamste Ankerauf-Manöver von ganz Patagonien. Woran es lag, wissen wir nicht. Evtl Baumstämme im schwarzen Moorwasser. Wenn wir da bloss nicht tauchen müssen! Schliesslich würgte die Ankerwinsch nach mehreren Versuchen den Anker doch noch raus. Grosse Erleichterung.
Die kurze Fahrt von weniger als 4sm hoch in die Laguna wurde lang, der Gegenstrom erreichte bis zu vier Knoten. Unsere Nachbarn haben die Gezeiten wohl erst nach unserem Besuch konsultiert und wohl auch eher auf 7 Uhr gesetzt.
Aber schliesslich schafften wir es und wurden gleich von vielen Eisbergen begrüsst. Bei einem besonders schön blau funkelnden machten wir einen Halt. Bei Windstille überliessen wir die Iraila sich selber – eigentlich ganz schlechte Seemannschaft – und stiegen beide ins Dinghy, um dem blauen Riesen einen Besuch abzustatten. Wer mit dabei sein möchte, klickt hier:
Das Wetter wurde früher als angesagt sonnig und so näherten wir uns unserem letzten Gletscher. Der San Rafael-Gletscher gehört zum nördlichen patagonischen Eisschild und sei der am nächsten am Meer gelegene Gletscher. Ob er das weiss?
Schon seit wir auf der Anfahrt zur Lagune sind, fallen uns die vielen, meist kleinen Boote auf, die in hoher Geschwindigkeit gegen Mittag nach Süden und am Nachmittag wieder nach Norden brausen. Der Gletscher scheint eine rechte Attraktion zu sein. Ein paar Tage später ist es ruhiger. Der Grund für den kleinen Rummel sind wohl die beiden Kreuzfahrtschiffe, die in Puerto Chacabuco liegen. Von dort werden die Gletscherausflüge angeboten.
Der Gletscher enttäuscht uns nicht. Immer wieder kracht es gewaltig, wenn ein Stück Eis sich losreisst und sich auf den Weg in die weite Welt raus macht. Einmal bricht ein so grosser Brocken ab, dass sich über die ganze Bucht eine gewaltige Welle ausbreitet. Das zeigt eindrücklich, was für gewaltige Massen da ins Wasser gestürzt sein müssen.



Nach einer guten Weile des Staunens drehen wir ab und legen uns an den Rand, an einen flachen Ort, wo Eisblöcke geparkt und gestrandet sind. Hier fällt der Anker und die Crew isst wieder draussen bei herrlichstem Sonnenschein zu Mittag. Zur Dokumentation noch kurz an Land.

Beim Verlassen der Laguna steht uns wieder die Strömung im Weg. Diesmal schiebt sie Eisblöcke, die mit der ablaufenden Tide noch aus der Lagune gefunden hatten, wieder zurück hinein.

Wir gehen daher vor Anker und warten ab, die Zeit zur Müllverbrennung an Land nutzend. Die Fahrt im herrlichsten Spätnachmittagslicht und vor der Kulisse der mächtigen Andenausläufer ist ein weiterer Leckerbissen dieses Tages.


Er endet in der selben Ankerbucht, in der wir vorletzte Nacht waren. Unsere Nachbarn von letzter Nacht sind auch wieder da – ohne Leinen.


